Clip Beads - Montessori Lernspielzeug


Produktname:
Clip Beads - Montessori Lernspielzeug
Autor (Produkt):
Verlag/Hersteller:
Erscheinungsjahr:
Bezug:
Antiquariat
Preis ab:
18,99 €
Heilmittel:
Logopädie, Ergotherapie
Fachbereich(e):
Kindersprache, Neurologie (L), Pädiatrie, Neurologie (L)
Störungsbild(er):
lexikalisch - semantische Störungen, Paresen der Arme bzw. Hände, Störungen der Feinmotorik, Aphasie und kognitive Dysphasie


Spieler:
Einzel- und Gruppentherapie
Spieldauer:
20 min
Geeignet für Visusgestörte:
Ja
Visusgestörte Hinweis:
bis auf blau und türkis kann man die Farben gut unterscheiden
Geeignet für Blinde:
Nein
Hauptmaterial:
Holz
Enthält Kleinteile:
Nein
Allrounder:
Nein
Günstig:
Ja


Komplexität des Spielaufbaus oder der -regeln:
Schriftgröße:
Hygiene:


Verpackung (Länge/Höhe/Breite):
280mm / 52mm / 210mm
Material (Länge/Höhe/Breite):
200mm / 12mm / 200mm

Content / Spielablauf

Clip Beads - sogenannte Kugel-Sortier-Spiele, finden sich in allen möglichen Varianten und Formen im freien Handel. Ich musste feststellen, dass es meine Variante mittlerweile nicht mehr von dem angegeben Hersteller gibt, dafür aber mindestens zwei andere Firmen aus dem Boden geploppt sind, die exakt das gleiche Spiel oder in anderer Variante anbieten. Meine Empfehlung: Finger weg von den Kombi-Paketen mit Formen und Buchstaben oder Zahlen. Also entweder ich sortiere jetzt Farben, oder ich übe Zahlen oder Formen. Aber man muss sich schon entscheiden. Warum das so ist, lest ihr weiter unten. :-)


Also grundsätzlich sollte sich in so einem Kasten ein Brett mit Vertiefungen befinden, entsprechende Förmchen (im Idealfall aus Holz) und mindestens eine Zange und ein Löffel. Essstäbchen sind eine richtig miese Variante für Menschen wie mich, die ja absolut zwei linke Hände haben. Aber macht deutlich mehr Spaß.

Und natürlich sollte sich hier ein großer Beutel prall gefüllt mit unterschiedlichen Kugeln befinden. Achtung, die Kugeln sind nicht farbecht. Also verwendet ein freundliches Desinfektionsmittel.


Ablauf ist recht einfach: Alle Kugeln werden auf dem Brett verteilt. Ziel ist es, alle Kugeln in die entsprechenden Förmchen mit Hilfe der Zange, des Löffels oder der Chopsticks zu transportieren.

Setting

Für den ergotherapeutischen Gebrauch ist das Spiel wunderbar geeignet. Aber auch das Logopädenherz wird hier höher schlagen.

Farben Sortieren und Feinmotorik - eine immer wieder wundervolle Kombination in der therapeutischen Arbeit.

Ob mit entwicklungsgestörten Kindern oder schwer betroffenen neurologischen Patienten, es ist vielfältig einsetzbar und in der Anschaffung daher wirtschaftlich.

Steigerungen/Hilfen

Steigerungen oder Hilfen sind bei Montessori grundsätzlich nicht eingeplant, und auch definitiv nicht vorgesehen. Das Anspruchsniveau muss auf dem Level des Benutzers liegen.



Nicht zufrieden mit der Antwort? Ich auch nicht.

Also noch mal von vorn: Natürlich kann man steigern und auch vereinfachen, indem man das Werkzeug wechselt. Also von Zange auf Löffel. Oder von Löffel auf Stäbchen. (Bei den Stäbchen würde ich aber dann eher mit Filzkugeln oder dicken Wattebauschen arbeiten.)

Ich kann auch die Strecke vom Brett zum Förmchen vergrößern oder den Abstand verkleinern.

Oder man nimmt es ganz genau und eine Hand bleibt hinterm Rücken, während die andere arbeitet (allzu gerne wird hier mit der anderen Hand nämlich nachgeholfen). Ich kann auch mal mit links oder rechts (der weniger geliebten Seite) arbeiten.


Persönliche Rezension

Mit dem Begriff "Montessori Spielzeug" wird mehr oder weniger inflationär auf dem freien Markt um sich geschmissen. Für die Generation der neuen explorativen Eltern natürlich ein gefundenes Fressen, um sich im Freundes- und Bekanntenkreis seine Reputation als moderne Erziehungsberechtigte zu erhalten. Mal ab von der Tatsache, dass manche Eltern die Tendenz haben, ihre Regelkinder zu Hause mit sündhaft teuren Spielen zu Tode zu fördern, statt einfach mit ihnen raus zu gehen und dies mit Alltagsgegenständen zu realisieren, eignet sich Montessori-Material dazu im Gegensatz im bildungsdidaktischen bzw. therapeutischen Kontext deutlich besser.

Warum darf sich aber jedes x-beliebige Spielzeug Montessori nennen? Welche Kriterien gelten hier? Hier gilt die 5+1 Regel.

  1. Zunächst einmal das Material. Nach der Montessori-Pädagogik besteht gutes Spielzeug aus natürlichen Materialien, wie wir sie in unserer Umgebung finden. Dazu zählen Filz, Stoffe oder eben Holz. Der Vorteil dieser Stoffe ist, sie sind leicht zu reinigen, nachhaltig und vor allem in jedem Haushalt zu finden. Immerhin geht es hier um einen starken Bezug zur Lebenswelt. In unserem Fall ist es Holz. (Zange und Förmchen sind aus Plastik/Silikon.)
  2. Das Material kennt nur einen Schwierigkeitsgrad. Dabei handelt es sich um eine isolierte Aufgabe. In den meisten Fällen ist sie entweder ausschließlich kognitiv oder feinmotorisch. Hier geht es vor allem um die Motorik. Mit Zange, Löffel oder Chopsticks/Essstäbchen.
  3. Es findet immer eine Art Fehlerkontrolle statt. Das heißt, es gibt eine Art Überprüfbarkeit, mit Hilfe derer Kinder herausfinden können, ob sie korrekt gearbeitet haben. Hier sind immer 10 Kugeln, die in ein Förmchen gehören (dass im übrigen in den meisten Fällen nicht - wie gefordert aus Holz- aus Silikon besteht).
  4. Das Material hat einen hohen Aufforderungscharakter. Dies kann ich absolut so bestätigen. Es muss kindgerecht sein und alle Elemente sollte man in Ruhe explorieren können. Vorsicht: Gefahr des Verschluckens NICHT unterschätzen! Nur unter Aufsicht verwenden.
  5. Tatsächlich gilt bei allen Spielen die "Begrenzung". Das bedeutet, dass die Verfügbarkeit von außen reguliert wird. Kinder sollen lernen, abzuwarten, bis sie an der Reihe sind. Daher kann man das Spiel entweder nur mit einem Kind spielen oder mit maximal drei Kindern, die alle einen anderen Fähigkeitsgrad haben. Wichtig ist, dass alle abwechselnd arbeiten. Wer das in einer Gruppe probieren möchte, der wird schnell feststellen, dass dieses Ziel mehrere Anläufe braucht, bis alle ruhig am Tisch sitzen, um sich nacheinander eine Kugel vom Brett zu fischen. Hier macht es übrigens Sinn, jedem Kind eine gewisse Anzahl an Förmchen/eine konkrete Farbe zuzuschreiben, dass es hier keinen Streit gibt, weil man zufällig eine Kugel erwischt hat, die der andere unbedingt haben wollte (ungeachtet der Tatsache, dass noch mindesten vier andere der gleichen Farbe auf dem Brett verstreut sind).

Verfolgt man den Montessori-Ansatz, dann erkennt man schnell, dass die größte Stärke im therapeutischen Alltag auch durchaus eine große Schwäche sein kann - die mangelnde Steigerungsflexibilität des Materials. Material ist hier immer auf ein Lernziel absolut zugeschnitten. Da gibt es kein links und kein rechts. Dafür hat man aber den absoluten Fokus dann auf die eine zu erbringende Leistung, also volle Konzentration.

In den meisten Fällen schaffen wir Montessori-Material an, wenn wir es für Kinder und Erwachsene gleichermaßen verwenden können, um die Wirtschaftlichkeit nicht aus dem Blick zu verlieren. Alles, was mit Farben sortieren zu tun hat, kann ich auch wunderbar bei Globalphasikern verwenden. Alles, was mit Größen zu tun hat, ebenso. Auch Formen. Solange der Anspruch dem Sortieren gilt, kann hier alles für gefühlt jede neurologische Schädigung ob klein oder groß gut eingesetzt werden.

Montessori-Spielzeug ab 5 Jahren wird dann deutlich experimenteller und kniffliger im Anforderungsniveau und gehört somit in die Ergotherapie. Dazu an anderer Stelle aber mehr.